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Kapitel 7: Über das Wachstum und andere Formen der Bewegung
Das Wachstum gehört zu den grundlegenden Erscheinungen der Natur. Es unterscheidet den lebenden Organismus vom unbelebten Gegenstand und ist deshalb von besonderer Bedeutung für das Verständnis der Welt.
„Ein Baum wächst nicht gleichmäßig in alle Richtungen. Seine Entwicklung wird durch Licht, Feuchtigkeit, Temperatur und die Beschaffenheit des Bodens bestimmt.“
— Lehrbuch der allgemeinen Pflanzenkunde, 1957
Diese Einschränkung ist bemerkenswert, weil auch mathematische Systeme nicht unabhängig von ihren Ausgangsbedingungen betrachtet werden können. Eine Gleichung besitzt zwar eine bestimmte Form, doch verändert sich ihr Ergebnis, sobald sich die Voraussetzungen verändern.
„Aus gleichen Bedingungen folgen gleiche Ergebnisse, sofern die Bedingungen vollständig gleich sind.“
— Einführung in die höhere Mathematik, 1963
Damit ist bereits ein Problem bezeichnet, das auch die Geschichtswissenschaft beschäftigt. Denn historische Ereignisse entstehen ebenfalls nicht aus einem einzigen Grund. Vielmehr treffen unterschiedliche Voraussetzungen aufeinander.
„Die Französische Revolution kann nicht auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden. Wirtschaftliche, soziale und politische Verhältnisse wirkten zusammen.“
— Grundzüge der europäischen Geschichte, 1951
Der Baum ist daher, streng genommen, ein historisches Ereignis.
Diese Feststellung erscheint zunächst ungewöhnlich. Sie wird jedoch verständlicher, wenn man berücksichtigt, dass auch ein Baum eine Vergangenheit besitzt. Seine Jahresringe stellen eine zeitliche Abfolge dar, in welcher frühere Bedingungen gegenwärtig noch sichtbar sind.
Vincent van Gogh beschäftigte sich ebenfalls mit dieser Frage, allerdings nicht in Form von Jahresringen.
„Die Natur ist für ihn nicht bloß Gegenstand der Darstellung, sondern ein lebendiger Vorgang.“
— Vincent van Gogh und seine Zeit, 1968
Das erklärt möglicherweise, weshalb seine Bäume häufig eine Bewegung besitzen, die man bei Bäumen zunächst nicht erwarten würde.
Die Physik beschreibt Bewegung dagegen präziser:
„Ein Körper bleibt in Ruhe oder bewegt sich gleichförmig geradlinig, solange keine äußere Kraft auf ihn einwirkt.“
— Grundlagen der Physik, 1962
Hier entsteht eine gewisse Schwierigkeit. Der Baum wächst. Van Gogh bewegt den Baum. Die Physik verlangt, dass der Baum sich nicht bewegt. Die Mathematik verlangt zunächst gar nichts. Die Geschichte erklärt, warum es trotzdem so gekommen ist. Man kann daher vorläufig feststellen:
Ein Baum ist ein Körper mit Vergangenheit, Wachstum und möglicherweise künstlerischer Bewegung.
Ob er dabei tatsächlich eine Kraft ausübt, ist eine andere Frage.
| Quelle | Jahr | Fachgebiet |
|---|---|---|
| Grundlagen der Physik | 1962 | Physik |
| Einführung in die höhere Mathematik | 1963 | Mathematik |
| Grundzüge der europäischen Geschichte | 1951 | Geschichte |
| Lehrbuch der allgemeinen Pflanzenkunde | 1957 | Botanik |
| Vincent van Gogh und seine Zeit | 1968 | Kunstgeschichte |
PS: Alle Informationen sind erfunden.