Ich hätte lange Zeit nicht gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber das Thema „Genie werden“ interessiert mich langsam nicht mehr.
Versteht mich nicht falsch, lernen ist immer noch relevant und ich befasse mich generell sehr gerne mit komplexen Themen. Nur dieses „als Genie anerkannt zu sein“ hat für mich jeglichen Reiz verloren. Sollen die Leute doch denken was sie wollen.
Weder werde ich mich verstellen, um gegebenen institutionellen Regelungen konform zu sein, noch werde ich mich vermarkten, um meine Bekanntheit zu steigern. Es ist mir beides ein Gräuel.
Viele wünschen sich etwas zu werden, als Buch-Autor Geld zu verdienen, bei Google oder Meta zu arbeiten, oder ein Job als Comic-Artist. Das sind tatsächlich die Wünsche der Menschen. Als ob man keine Bücher schreiben könnte, ohne damit Geld verdienen zu müssen. Und genau darum geht es mir hier:
- Status- und Anerkennungsziele verlieren mit kognitiver Reife an Attraktivität: Personen mit hoher kognitiver Autonomie verschieben ihre Motivation von sozialer Validierung zu epistemischer oder existenzieller Kohärenz.
- Institutionelle Anerkennung verzerrt Inhalte: Akademische, ökonomische oder kulturelle Institutionen erzeugen systematisch Anreizstrukturen, die Anpassung belohnen und Originalität bestrafen (Goodhart-Effekt).
- Produkt ≠ Markt: Kreative oder intellektuelle Tätigkeit ist logisch unabhängig von ihrer Monetarisierung. Diese Trennung ist empirisch wie philosophisch gut abgesichert.
Ich verstehe natürlich den Vorteil eines Jobs, in dem man seine Interessen einbringen kann. Todd McFarlane hat gut erkannt, dass seine Drawing-Skills verbessert würden, sobald er einen Job als Comiczeichner bekäme. Das nutze er als Leverage und gründete danach, gemeinsam mit Kollegen, seinen eigenen Verlag.
Die Moral von dieser Geschichte ist, dass man den Job als Möglichkeit des Lernens nutzen sollte. Doch diese Geschichte ist nicht meine Geschichte, denn ich werde bestimmt keinen Job als Zeichner anstreben, nur um mehr Zeit zum Zeichnen zu haben.
Somit zurück zum eigentlichen Thema, nämlich zum Sinn. Es geht um Handeln und denken ohne externe Legitimationspflicht. Was tue ich und warum? Doch ganz gleich was es ist:
Einfach tun.
Wer (sich) ständig überarbeitet, sucht implizit Zustimmung.