Zeit ist weiter begrenzt

Fortsetzung von „Die Zeit ist begrenzt„…

Fast vier Jahre später, hat sich meine Einstellung dazu verändert. Wie das passiert ist, kann ich selbst noch nicht beurteilen. Ich bin jedoch froh, dass es passiert ist.

Das Problem ist zu glauben, man müsste die Zeit sinnvoll nutzen. Wann haben wir angefangen jede Minute zu tracken? Warum ist es uns so wichtig, dass wir unsere Zeit sinnvoll nutzen müssen? Was glauben wir, dadurch zu erreichen.

Wenn man ein gutes Leben lebt, gesund ist, es keine schwerwiegenden Vorfälle gibt, dann ist es gleichgültig, wie man mit der eigenen Zeit umgeht. Und damit ist es auch gleichgültig, wenn man im Stillen sitzt und nichts tut.

Man muss nicht studieren, lesen, schreiben. All diese Dinge muss man nicht tun, damit der Tag erfüllt ist. Tatsächlich war der Tag am erfülltesten, wenn ich nicht jede Minute auf die Waagschale gelegt habe. Wenn ich so vertieft in einer Sache war, dass es mir gleichgültig war, wie die Zeit vergeht.

Es ist immer wieder ärgerlich, wenn die bessere Hälfte des Tages für die Arbeit draufgeht. Ich sage „die bessere Hälfte“, weil es genau der Abschnitt des Tages ist, an dem ich besser gelaunt bin und mehr Energie habe. Dies ist mein Ärgernis, für welches ich noch keine Lösung gefunden habe.

Doch es ist nicht mehr ärgerlich, weil ich mich damit abgefunden habe. Es zu ändern ist unmöglich. Die Zeit stattdessen anders zu nutzen ebenfalls. Also warum die Aufregung über etwas, das man nicht ändern kann?

Doch eine Sache gibt es schon noch: sobald ich endlich in einer Sache drin bin, fällt es mir schwer loszulassen. Dass ich dann unterbrochen werde, weil ich woanders sein muss, ist ärgerlich (ich meine hier das neurodiverse ärgerlich, das Gefühl, kurz vor einem Meltdown zu sein)